Referenzbereiche sind statistisch: sie umfassen definitionsgemäß 95 % einer gesunden Referenzpopulation, was bedeutet, dass jeder zwanzigste gesunde Wert außerhalb liegt. Fordert man bei einer gesunden Person zwölf Parameter an, liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 46 %, dass mindestens einer außerhalb fällt.
Die nachstehenden Bereiche sind Richtwerte für Erwachsene. Methode und Labor sind maßgeblich — stets den Bereich verwenden, der auf dem eigenen Befund steht.
Hämatologie
| Analyt | Referenz | Kommentar |
|---|---|---|
| Retikulozyten | 20–100 ×10⁹/l | Unterscheidet einen Produktionsdefekt von Hämolyse oder Blutung |
| Ferritin | 15–300 µg/l (Frauen 10–150) | Akutphaseprotein — ein normales Ferritin schließt einen Eisenmangel bei Entzündung nicht aus |
| Transferrinsättigung | 15–50 % | < 15 % spricht unabhängig vom Ferritin für einen Eisenmangel |
| Vitamin B12 | 150–650 pmol/l | Graubereich 150–250: mit Homocystein oder Methylmalonat ergänzen |
| Folsäure | > 7 nmol/l |
Elektrolyte und Nierenfunktion
Siehe Nierenparameter für die eGFR-Stadien und die Albuminurie.
Entzündung und Infektion
| Analyt | Referenz | Kommentar |
|---|---|---|
| CRP | < 3 mg/l | Steigt innerhalb von 6–8 h, Halbwertszeit ~19 h |
| BSG | Frauen < 20, Männer < 15 mm/h | Steigt langsam; wird durch Anämie, Alter und Schwangerschaft erhöht |
| Procalcitonin | < 0,25 µg/l | Stützt eine bakterielle Ätiologie; wird zur Antibiotikasteuerung verwendet |
Glukose und Lipide
| Analyt | Grenzwert | Kommentar |
|---|---|---|
| Nüchternglukose, Plasma | 4,0–6,0 mmol/l | ≥ 7,0 an zwei Zeitpunkten begründet die Diagnose Diabetes |
| HbA1c | < 42 mmol/mol | 42–47 = Prädiabetes; ≥ 48 = Diabetes |
| Gesamtcholesterin | < 5,0 mmol/l | Die Zielwerte richten sich nach dem Gesamtrisiko, nicht nach dem Referenzbereich |
| LDL | < 3,0 mmol/l | Ziel < 1,4 bei sehr hohem Risiko |
| HDL | Frauen > 1,3, Männer > 1,0 mmol/l | |
| Triglyzeride | < 1,7 mmol/l | > 10 birgt ein Pankreatitisrisiko |
Kardiale Marker und Gerinnung
| Analyt | Referenz | Kommentar |
|---|---|---|
| Hochsensitives Troponin T | < 14 ng/l | Die Entscheidungsgrenzen sind methodenspezifisch — dem lokalen 0/1-Stunden-Protokoll folgen |
| NT-proBNP | < 125 ng/l (< 300 bei akuter Dyspnoe) | Ein normaler Wert schließt eine Herzinsuffizienz praktisch aus |
| D-Dimer | < 0,5 mg/l FEU | Altersadaptierter Grenzwert: Alter × 0,01 ab 50 Jahren |
| INR | 0,9–1,2 | |
| aPTT | 28–40 s | |
| Fibrinogen | 2–4 g/l | Akutphaseprotein |
Schilddrüse
| Analyt | Referenz |
|---|---|
| TSH | 0,4–4,0 mIE/l |
| Freies T4 | 12–22 pmol/l |
| Freies T3 | 3,1–6,8 pmol/l |
Das TSH steht in logarithmischer Beziehung zum T4 — eine kleine Änderung des T4 bewirkt eine große Änderung des TSH. Bei akuter Erkrankung kann das TSH ohne Schilddrüsenerkrankung falsch niedrig oder falsch hoch sein; im beschwerdefreien Intervall wiederholen.
Fallstricke
- Eine Hämolyse erhöht Kalium, LDH und ASAT und senkt das Haptoglobin.
- Eine Stauung bei der Blutentnahme erhöht Kalium, Calcium und Proteine.
- Nüchternheit ist für die Triglyzeride erforderlich, nicht aber für Cholesterin oder Glukose bei HbA1c-basierter Diagnostik.
- Das Albumin beeinflusst das Gesamtcalcium — ionisiertes Calcium verwenden oder albuminkorrigieren.
- Biotinpräparate stören viele immunchemische Methoden, unter anderem Troponin und TSH.