Rekombinanter Gewebeplasminogenaktivator (rt-PA)

Alteplase

Aktualisiert 22. August 2026

Fibrinspezifischer Plasminogenaktivator, der frische Thromben auflöst und Standardthrombolytikum bei ischämischem Schlaganfall und bei Lungenembolie mit hämodynamischer Beeinträchtigung ist. Die Regime unterscheiden sich vollständig zwischen den Indikationen — beim Schlaganfall wird nach Körpergewicht dosiert, bei Lungenembolie und Myokardinfarkt mit festen 100 mg — und eine Verwechslung dieser Regime ist die häufigste schwerwiegende Fehlerquelle. Die kurze Halbwertszeit bedeutet, dass die Wirkung nach der Dosis nicht rückgängig gemacht werden kann.

Handelsnamen: Actilyse

ENGE THERAPEUTISCHE BREITEMONITORING ERFORDERLICH

WICHTIG

Intrakranielle Blutung ist die tödliche Komplikation und tritt bei bis zu 15 Prozent nach Schlaganfall-Lyse auf, wovon ein Teil symptomatisch ist. Nie geben bei aktiver Blutung, bekannter intrakranieller Blutung, INR über 1,7, Thrombozyten unter 100 × 10⁹/l oder Blutdruck über 185/110 mmHg — der Druck muss vorher, nicht während der Infusion gesenkt werden.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Akuter ischämischer Schlaganfall0,9 mg/kg i.v., max. 90 mg gesamt: 10 % der Dosis als Bolus über 1 Minute, restliche 90 % als Infusion über 60 Minuteninnerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn oder zuletzt beschwerdefrei
Lungenembolie mit hämodynamischer Beeinträchtigung10 mg i.v. als Bolus über 1–2 Minuten, dann 90 mg als Infusion über 2 Stundenbei Gewicht unter 65 kg beträgt die Gesamtdosis max. 1,5 mg/kg
Lungenembolie bei Herzstillstand oder laufender Reanimation0,6 mg/kg i.v. über 5–15 Minuten, max. 50 mg als Bolusanteil, dann restliche Dosis als Infusion über 90 MinutenReanimation mindestens 60–90 Minuten fortführen, bevor Abbruch erwogen wird
STEMI, beschleunigtes Regime bei Gewicht ≥ 65 kg15 mg i.v. als Bolus, 50 mg als Infusion über 30 Minuten, dann 35 mg über 60 Minuten — insgesamt 100 mg in 90 Minutennur wenn primäre PCI nicht innerhalb von 120 Minuten erreichbar ist
Maximaldosis unabhängig von der Indikationnie mehr als 100 mg (Schlaganfall: nie mehr als 90 mg)Überdosierung erhöht das Risiko für intrakranielle Blutung erheblich

Nierenfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion. Urämische Thrombozytendysfunktion erhöht jedoch das Blutungsrisiko und muss in der Indikationsstellung berücksichtigt werden.

Leberfunktionsstörung

Keine formale Dosisanpassung, aber schwere Leberinsuffizienz mit Koagulopathie, Leberzirrhose, portale Hypertension und Ösophagusvarizen sind Kontraindikationen.

Kinder

Ab 16 Jahren bei ischämischem Schlaganfall mit gleicher gewichtsbasierter Dosis wie Erwachsene zugelassen. Unter 16 Jahren fehlt eine etablierte Dosierung für diese Indikationen; Behandlung erfolgt nach gesondertem pädiatrischen Protokoll.

Fallstrick

Nicht das 100-mg-Regime des Myokardinfarkts oder der Lungenembolie beim Schlaganfall anwenden — die gewichtsbasierte Schlaganfalldosis ist niedriger, und feste 100 mg einem Schlaganfallpatienten zu geben ist eine potenziell tödliche Überdosierung. Bei vermuteter Aortendissektion, kürzlich erfolgtem intrakraniellen Eingriff oder aktiver gastrointestinaler Blutung darf keine Thrombolyse erfolgen, unabhängig davon, wie überzeugend das klinische Bild ist.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITTsofort
t½ (initial)4–5 Minuten
t½ (terminal)ca. 40 Minuten
CLEARANCE550–680 ml/min
METABOLISMUSHepatisch
FIBRINSPEZIFITÄTHoch — aktiviert durch fibringebundenes Plasminogen
SYSTEMEFFEKTFibrinogenabfall für 24 Stunden
ANTIGENITÄTKeine — kann wiederholt werden

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Blutung aus Einstichstellen und Schleimhäuten, Hämatome, Blutdruckabfall während Infusion
1–10 %Reperfusionsarrhythmien bei Myokardinfarkt, gastrointestinale Blutung, Fieber, Übelkeit
< 1 %Symptomatische intrakranielle Blutung, orolinguales Angioödem, retroperitoneale Blutung, Cholesterinembolie

Kontrollschema

Neurologischer Status, NIHSSalle 15 Minuten während der Infusion
Blutdruck, Ziel < 180/105 mmHgalle 15 Minuten für 2 Stunden
Blutungszeichen, Mundhöhle und Zungekontinuierlich während der Infusion
Hb, Thrombozyten, Fibrinogenbei Blutung oder neurologischer Verschlechterung

Wechselwirkungspotenzial

16 klinisch bedeutsam. 2 kontraindiziert · 9 schwerwiegend · 5 mittelschwer.

Additives Blutungsrisiko mit Heparin, DOAK, Warfarin und Thrombozytenhemmern. Antikoagulanzien und Thrombozytenhemmer dürfen in den ersten 24 Stunden nach Schlaganfall-Lyse nicht gegeben werden. ACE-Hemmer erhöhen das Risiko für orolinguales Angioödem.

Darreichungsform & Kosten

Pulver und Lösungsmittel 10, 20 und 50 mgInjektions- und Infusionslösung
Flasche 2 mgnur für katheterbedingte Okklusion, nie Schlaganfall, Lungenembolie oder Infarkt
VerfügbarkeitAnforderung an Notaufnahme, Schlaganfalleinheit und Intensivstation