NMDA-Rezeptor-Antagonist, dissoziatives Anästhetikum

Ketamin

Aktualisiert 22. August 2026

Das einzige Anästhetikum, das sowohl Bewusstlosigkeit erzeugt als auch den Kreislauf stabilisiert — die indirekte Sympathikusstimulierung macht Ketamin zur ersten Wahl bei der Einleitung beim blutenden, septischen oder anderweitig preloadabhängigen Patienten, und die Bronchodilatation macht es bei lebensbedrohlichem Asthma wertvoll. Atemstoß und Schluckreflexe sind im Wesentlichen erhalten, was eine Erklärung, aber niemals eine Garantie ist. Entscheidend in der Praxis ist es, die drei Dosisniveaus auseinanderzuhalten: Analgesie, Prozeduralsedering und Einleitung sind verschiedene Arzneimittel in derselben Ampulle.

Handelsnamen: Ketanest S

BETÄUBUNGSMITTELDREI VERSCHIEDENE DOSISNIVEAUSEMPFOHLEN BEI SCHOCK

WICHTIG

Analgetische Dosis und Induktionsdosis unterscheiden sich um das Zehnfache — eine Verwechslung ergibt unbeabsichtigte Dissoziation, Apnoe und einen ungeschützten Atemweg. Ketamin immer dort geben, wo Beatmungsausrüstung unmittelbar zur Hand ist.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Analgesie, subdissoziativer Dosis0,1–0,3 mg/kg i.v. langsam über 5–10 minschnelle Injektion verursacht Dysphorie — verdünnen und über Pumpe geben
Prozeduralsedierung1 mg/kg i.v., alternativ 4 mg/kg i.m.i.m.-Weg wenn kein i.v.-Zugang, bei Kindern und agitiert
Einleitung bei RSI1–2 mg/kg i.v., 1 mg/kg bei ausgeprägtem Schockbeim katecholaminerschöpften Patienten kann der Druck dennoch fallen
Schweres Asthma oder Status asthmaticus0,5–1 mg/kg i.v., danach 0,5–1 mg/kg/Stundebronchiodilatierend, Zusatz wenn Inhalationen nicht ausreichen
Kontinuierliche Schmerzinfusion0,1–0,3 mg/kg/Stundeopioidsparend bei schwerem oder opioidtoleranten Schmerz

Nierenfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung. Der Metabolit Norketamin wird renal ausgeschieden und kann bei Langzeitinfusion und ausgeprägter Niereninsuffizienz akkumulieren.

Leberfunktionsstörung

Metabolisierung über CYP3A4 und CYP2B6. Dosis reduzieren und Intervalle verlängern bei ausgeprägtem Leberversagen.

Kinder

Prozeduralsedierung 1–1,5 mg/kg i.v. oder 4 mg/kg i.m. Kinder erleiden seltener Emergenzreaktionen als Erwachsene; Laryngospasmus ist selten, aber das ernsteste Risiko.

Fallstrick

Die alte Kontraindikation bei erhöhtem intrakraniellem Druck gilt nicht: Ketamin senkt nicht den zerebralen Perfusionsdruck, und beim gleichzeitigen Schock ist es vielmehr der Blutdruckabfall nach Propofol, der das Gehirn schädigt. Die verbleibende Vorsicht gilt bei unbehandelter schwerer Hypertonie, frischem Myokardinfarkt und Aortendissektion, wo die Sympathikussteigerung unerwünscht ist.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT30–60 s i.v. · 3–5 min i.m.
WIRKUNGSDAUER5–15 min i.v. · 15–30 min i.m.
BIOVERFÜGB.93 % i.m. · 20–25 % p.o.
Vd2–3 l/kg
t½2–3 h
PROTEINBINDUNG25 %
METABOLISMUSCYP3A4 und CYP2B6 zu aktivem Norketamin
AUSSCHEIDUNGRenal als Metaboliten

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Blutdruck- und Pulsanstieg, Nystagmus, Hypersalivation, Übelkeit
1–10 %Emergenzreaktionen mit lebhaften Träumen und Agitation, Dysphorie, Doppelbilder, Tonuserhöhung
< 1 %Laryngospasmus, Apnoe bei schneller Injektion, Tachyarrhythmie, Ketamin-induzierte Zystitis bei Missbrauch

Kontrollschema

Atemrhythmus und Sauerstoffsättigungkontinuierlich während und nach der Dosis
Blutdruck und Pulsvor Dosis und alle 5 Minuten während Sedierung
Sekret im Atemweglaufend — Absaugung griffbereit, Anticholinergikum bei Bedarf
Aufwachverlaufruhige Umgebung, minimale Stimulierung bis Patient orientiert ist

Wechselwirkungspotenzial

14 klinisch bedeutsam. 0 kontraindiziert · 5 schwerwiegend · 9 mittelschwer.

Benzodiazepine und Opioide verstärken die Sedierung und können den erhaltenen Atemstoß aufheben. CYP3A4-Hemmer verlängern die Wirkung. Midazolam 1–2 mg i.v. dämpft Emergenzreaktionen, wird aber am besten erst bei deren Auftreten gegeben, nicht routinemäßig an alle.

Darreichungsform & Kosten

Injektionslösung 10 mg/mlfür i.v. Bolus und Infusion
Injektionslösung 50 mg/mlfür intramuskuläre Dosis, kleines Volumen
Esketamin (Ketanest) 5 und 25 mg/mletwa doppelte Potenz — Dosis halbieren