Endogenes Purinnukleosid, AV-Knoten-blockierend

Adenosin

Aktualisiert 22. August 2026

Mittel der ersten Wahl bei regelmäßiger schmalkomplexiger Tachykardie, wenn vagale Manöver die Arrhythmie nicht unterbrechen. Wirkt durch Blockade des AV-Knotens für wenige Sekunden und ist damit sowohl therapeutisch bei Reentry über den AV-Knoten als auch diagnostisch bei Arrhythmien, die dies nicht tun — Vorhofflattern und atriale Tachykardien werden demaskiert, wenn die Kammerantwort verlangsamt wird. Die Halbwertszeit von wenigen Sekunden bewirkt, dass Wirkung und Nebenwirkungen vorbei sind, bevor man sich umentschieden hat, erfordert aber eine schnelle Injektion mit anschließendem Nachspülen.

Handelsnamen: Adrekar, Adenoscan

MONITORING ERFORDERLICH

WICHTIG

Niemals bei präexzitiertem Vorhofflimmern geben — AV-Knoten-Blockade kann die Überleitung über die akzessorische Bahn beschleunigen und Kammerflimmern auslösen. Kontraindiziert bei schwerem Asthma wegen Bronchospasmusgefahr. Defibrillator muss unmittelbar verfügbar sein.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Regelmäßige schmalkomplexige Tachykardie (PSVT)6 mg i.v. als schneller Bolus über 1–2 s, sofort gefolgt von 10–20 ml NaCl-Flush und erhobener Extremität; bei ausbleibender Wirkung 12 mg nach 1–2 min, darf einmal wiederholt werdenFachinformation gibt 5 mg gefolgt von 10 mg an — gleiches Prinzip
Breitkomplextachykardie unklarer Genesegleiche Dosierung unter kontinuierlicher EKG-Registrierungnur bei regelmäßigem Rhythmus; nie bei unregelmäßigem
Herztransplantierter, Dipyridamol-Behandlung oder zentraler ZugangStartdosis 3 mg, auftitrierenstark verstärkte und verlängerte Wirkung
Pharmakologischer Stress bei Myokardszintigraphie140 µg/kg/min i.v. über 4–6 min, Radioisotop nach 3 minkoffeinfrei 12 Stunden vorher
Kinder0,1 mg/kg i.v. (max. 6 mg), dann 0,2–0,3 mg/kg (max. 12 mg)gleiche schnelle Bolustechnik

Nierenfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung. Wird nicht renal eliminiert, sondern durch Adenosindesaminase in Blut und Endothel.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung. Wird nicht hepatisch metabolisiert.

Kinder

0,1 mg/kg i.v. als schneller Bolus (max. 6 mg), bei Bedarf 0,2–0,3 mg/kg (max. 12 mg).

Fallstrick

Nicht bei unregelmäßiger Breitkomplextachykardie — dieses Bild ist präexzitiertes Vorhofflimmern, bis das Gegenteil bewiesen ist, und AV-Knoten-Blockade kann dann zu Kammerflimmern führen. Auch bei ausgeprägtem Asthma vermeiden. Die häufigste Ursache für ausbleibende Wirkung ist nicht die falsche Dosis, sondern eine zu langsame Injektion, ein zu peripherer Zugang oder ein fehlender Flush.

Pharmakokinetik

t½< 10 Sekunden
WIRKUNGSEINTRITT10–20 Sekunden
WIRKUNGSDAUERunter 1 Minute
METABOLISMUSAdenosindesaminase in Erythrozyten und Gefäßendothel
AUSSCHEIDUNGKeine renale oder hepatische Elimination
APPLIKATIONSchneller Bolus in proximale Vene, sofortiger Flush
ANTAGONISTENTheophyllin, Koffein
POTENZIERT DURCHDipyridamol, Carbamazepin, Denervierung

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Flush, Dyspnoe und Brustbeschwerden, Angstgefühl, Kopfschmerzen
1–10 %Vorübergehende Asystolie oder Sinusarrest, Bradykardie, Übelkeit, metallischer Geschmack
< 1 %Bronchospasmus, Vorhofflimmern, Kammerflimmern bei Präexzitation, Koronarspasmus

Kontrollschema

Kontinuierliche EKG-Registrierungwährend und 1 min nach jeder Dosis
Blutdruckvor und nach Injektion
Defibrillator und Atropinbei jeder Gabe verfügbar
Atembeeinträchtigung bei obstruktiver Erkrankungbei jeder Dosis

Wechselwirkungspotenzial

12 klinisch bedeutsam. 2 kontraindiziert · 4 schwerwiegend · 6 mittelschwer.

Theophyllin und Koffein antagonisieren die Wirkung und können höhere Dosen erfordern. Dipyridamol hemmt die Aufnahme und verstärkt die Wirkung erheblich — Infusion ist dann kontraindiziert. Herztransplantierte und Patienten mit zentralem Zugang sind denervierungsüberempfindlich; mit 3 mg beginnen.

Darreichungsform & Kosten

Injektionslösung 5 mg/ml, 2 ml Ampulle10 mg pro Ampulle
Injektionsflasche 5 mg/ml, 10 ml50 mg, für Infusion bei Szintigraphie
Verfügbarkeitnur unter kontinuierlichem EKG-Monitoring mit verfügbarem Defibrillator