Kombinierter α₁- und β-Blocker

Labetalol

Aktualisiert 22. August 2026

Bewährtes Mittel bei hypertensiver Krise. Die kombinierte Alpha- und Betablockade senkt den Blutdruck durch periphere Vasodilatation ohne Reflextachykardie, was Labetalol von reinen Vasodilatatoren unterscheidet. Besonders nützlich bei hypertensiver Krise in der Schwangerschaft und bei Kokainintoxikation, wo reine Betablocker ein Beta-dominiertes Ungleichgewicht mit Druckanstieg durch unkontrollierte Alphastimulierung riskieren.

Handelsnamen: Trandate

WICHTIG

Negative inotrope Wirkung — nicht bei hypertensiver Krise mit akutem Linksherzversagen und Lungenödem. Risiko für Bronchospasmus bei obstruktiver Lungenerkrankung.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Hypertensive Krise, Bolusregime20 mg i.v. über 2 Minuten, danach 20–80 mg alle 10 MinutenGesamtdosis höchstens 300 mg
Hypertensive Krise, Infusion0,5–2 mg/Minute i.v.gegen Zieldruck titrieren, höhere Dosen bisweilen erforderlich
Präeklampsie und Eklampsie20 mg i.v., danach 40 mg und 80 mg in 10-Minuten-AbständenMittel der ersten Wahl, gemäß geburtshilflicher Leitlinie
Blutdruckkontrolle vor Thrombolyse bei Schlaganfall10–20 mg i.v., kann wiederholt werdenZiel < 185/110 mmHg

Nierenfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung. Wird nicht durch Hämodialyse entfernt.

Leberfunktionsstörung

Dosis reduzieren — hoher First-Pass-Metabolismus. Bei Zeichen von Leberschaden absetzen.

Kinder

0,2–1 mg/kg i.v. als Bolus (max. 40 mg), oder Infusion 0,4–3 mg/kg/Stunde.

Fallstrick

Bei akutem Lungenödem mit eingeschränkter Linksherzfunktion vermeiden; die negative Inotropie verschlechtert die Situation. Bei Phäochromozytom, Kokain- oder Amphetaminvergiftung ohne gleichzeitige Alphablockade nicht als reinen Betablocker einsetzen — das Risiko des Druckanstiegs durch unkontrollierte Alphastimulierung besteht.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT5–10 Minuten
MAXIMALWIRKUNG5–15 Minuten
WIRKUNGSDAUER2–4 Stunden
t½5,5 Stunden
α:β-VERHÄLTNIS (I.V.)1:7
PROTEINBINDUNG50 %
METABOLISMUSGlukuronidierung in der Leber
AUSSCHEIDUNGRenal (Konjugate)

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Schwindel, Übelkeit, orthostatische Hypotonie, Müdigkeit
1–10 %Erbrechen, Kribbeln in der Kopfhaut, Bradykardie, Nasenverstopfung
< 1 %AV-Block, Bronchospasmus, hepatozellulärer Schaden, Herzinsuffizienz-Verschlechterung

Kontrollschema

Blutdruckalle 5 Minuten bei Bolus
EKG und Herzfrequenzkontinuierlich
Leberwertebei Behandlung > 3 Tage
Orthostasetestvor Mobilisierung

Wechselwirkungspotenzial

18 klinisch bedeutsam. 1 kontraindiziert · 6 schwerwiegend · 11 mittelschwer.

Additive Bradykardie mit Verapamil und Diltiazem. Maskiert Hypoglykämiesymptome bei Insulinbehandlung. Krampfbereitschaft kann durch Lidocain verstärkt werden. Trizyklische Antidepressiva können den antihypertensiven Effekt vermindern.

Darreichungsform & Kosten

Injektionslösung 5 mg/ml20-ml-Ampulle
Tablette 100 und 200 mgperorale Weiterführung
Einschränkungkeine