Stickstoffmonoxid-Donor, direktwirkend

Natriumnitroprussid

Aktualisiert 22. August 2026

Der stärkste und am schnellsten steuerbare Vasodilatator in der intravenösen Hypertoniebehandlung — mit minütlichem Wirkungseintritt und Abklingen gleich nach Infusionsende. Das Problem ist Cyanidtoxizität bei Dosen über 2–3 µg/kg/min, bei Niereninsuffizienz und bei Langzeitinfusion, weil Nitroprussid zu Cyanid gespalten wird. An Nikardipin oder Clevipin gebunden als erste Wahl, da diese bei vergleichbarer Steuerbarkeit ohne das Cyanidrisiko kommen.

Handelsnamen: Nipruss

SONDERZULASSUNGENGE THERAPEUTISCHE BREITE

WICHTIG

Metabolisiert zu Cyanid. Dosen über 2 µg/kg/min, Niereninsuffizienz und Behandlung länger als 2–3 Tage geben reales Cyanidvergiftungsrisiko mit Laktatazidose, Verwirrtheit und Herzstillstand. Laktat und Blutgas alle 4 Stunden kontrollieren.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Hypertensive KriseStartdosis 0,25–0,5 µg/kg/min i.v.in Schritten von 0,5 µg/kg/min erhöhen
Übliche Maximaldosis3 µg/kg/min i.v.über dieser Dosis steigt das Cyanidrisiko erheblich
Absolute Maximaldosis8–10 µg/kg/min i.v., höchstens 10 Minutenabbrechen wenn Zieldruck nicht erreicht wird
Bei vermuteter CyanidtoxizitätInfusion abbrechen und Natriumthiosulfat i.v. gebenThiosulfat wandelt Cyanid zu Thiocyanat um

Nierenfunktionsstörung

Thiocyanat akkumuliert. Bei eGFR < 30 ml/min vermeiden oder niedrigste Dosis für kürzeste Zeit.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung; Thiocyanat wird renal ausgeschieden.

Kinder

0,25–0,5 µg/kg/min i.v. nach invasiver Blutdruckmessung; sonst alternativere Präparate bevorzugen.

Fallstrick

Bei Schwangerschaft, Leber'scher hereditärer Optikusneuropathie, erhöhtem Hirndruck und ausgeprägter Niereninsuffizienz vermeiden. Cyanidrisiko ist bei Kindern proportional höher — Nicardipin oder Labetalol bevorzugen.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITTsofortig
MAXIMALWIRKUNG1–2 Minuten
WIRKUNGSDAUER1–5 Minuten nach Infusionsende
t½ (Nitroprussid)ca. 2 Minuten
t½ (Thiocyanat)2,7 Tage (verlängert bei Niereninsuffizienz)
METABOLISMUSSpontan zu Cyanid, dann zu Thiocyanat durch Rhodanase
AUSSCHEIDUNGThiocyanat renal
LICHTEMPFINDLICHKEITAbbau im Licht — Lichtschutz obligat

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Flush, Schwitzen
1–10 %Agitation, Muskelkrämpfe, ausgeprägte Hypotonie, Reflextachykardie
< 1 %Cyanidvergiftung mit Laktatazidose und Bewusstseinstrübung, Thiocyanat-Toxizität mit Psychose und Krampfanfällen

Kontrollschema

Arterieller Blutdruck (invasiv)kontinuierlich, obligat
Laktat und Blutgasalle 4 Stunden
Thiocyanat im Plasmabei Behandlung > 48 h
Bewusstseinsgradkontinuierlich

Wechselwirkungspotenzial

10 klinisch bedeutsam. 2 kontraindiziert · 4 schwerwiegend · 4 mittelschwer.

PDE5-Hemmer und Riociguat sind kontraindiziert. Additive Hypotonie mit allen Vasodilatatoren und Antihypertensiva. Kein Einsatz zusammen mit Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil.

Darreichungsform & Kosten

Pulver zur Infusion 60 mgin Glukose 50 mg/ml auflösen
EinschränkungSonderzulassung, nur ITS mit Arterienkanüle
Lichtschutzobligat während der gesamten Infusion