Nicht-selektiver α-adrenerger Blocker

Phentolamin

Aktualisiert 22. August 2026

Nicht-selektiver Alphablocker mit Wirkungseintritt innerhalb von Minuten und Dauer unter einer halben Stunde. Nischenpräparat: katecholamininduzierte hypertensive Krise — Phäochromozytom, Kokain- und Amphetaminintoxikation, MAO-Hemmer-Krise — sowie Lokalbehandlung der Hautnekrose nach Extravasation von Noradrenalin.

Handelsnamen: Regitin, OraVerse

SONDERZULASSUNG

WICHTIG

Reine Alphablockade bewirkt ungehemmte Betastimulation mit Tachykardie und Arrhythmierisiko. Vermeiden bei Koronararterienerkrankung ohne gleichzeitige Frequenzkontrolle.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Hypertensive Krise bei Phäochromozytom5–15 mg i.v. als Bolus alle 5–15 Minutengegen den Blutdruck titrieren
Kontinuierliche InfusionStart bei 0,1 mg/min i.v., Steigerung in Schritten von 0,1 mgbei ausgeprägter Katecholaminausschüttung
Kokain- oder Amphetamin-induzierte Hypertonie5 mg i.v., kann wiederholt werdenvor einer eventuellen Betablockade geben
Extravasation von Noradrenalin5–10 mg verdünnt in 10 ml NaCl, lokal in das Gebiet injiziertinnerhalb von 12 Stunden nach der Extravasation

Nierenfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung. Nach Wirkung titrieren.

Leberfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung.

Kinder

0,05–0,1 mg/kg i.v. als Bolus (max. 5 mg). Bei Extravasation 0,1–0,2 mg/kg lokal, max. 10 mg.

Fallstrick

Kein generelles Erstlinienmedikament bei hypertensiver Krise — für nachgewiesenen oder stark vermuteten Katecholaminüberschuss reservieren. Bei ischämischer Herzerkrankung sollte nach etablierter Alphablockade eine Betablockade gegeben werden, um die Reflextachykardie zu dämpfen.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT1–2 Minuten
MAXIMALWIRKUNG2 Minuten
WIRKUNGSDAUER10–30 Minuten
t½19 Minuten
METABOLISMUSLeber
AUSSCHEIDUNGRenal (13 % unverändert)
REZEPTORα₁ und α₂, kompetitive Blockade
ANWENDUNGi.v., i.m., lokale Infiltration

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Tachykardie, Flush, Kopfschmerzen, Nasenverstopfung
1–10 %Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, orthostatische Hypotonie
< 1 %Tachyarrhythmie, Myokardischämie, Myokardinfarkt, zerebrovaskuläres Ereignis

Kontrollschema

Blutdruckalle 2 Minuten nach Bolus
EKGkontinuierlich
Herzfrequenzkontinuierlich
Extravasationsgebietalle 4 Stunden

Wechselwirkungspotenzial

8 klinisch bedeutsam. 1 kontraindiziert · 3 schwerwiegend · 4 mittelschwer.

Hebt die Gefäßwirkung von Noradrenalin und Phenylephrin auf — daher der Nutzen bei Extravasation. Additive Hypotonie mit PDE5-Hemmern und anderen Vasodilatatoren.

Darreichungsform & Kosten

Injektionslösung 10 mg/ml1-ml-Ampulle
EinschränkungSonderzulassung
Zubereitung bei Extravasationauf 1 mg/ml verdünnen