Dihydropyridin-Kalziumantagonist

Nicardipin

Aktualisiert 22. August 2026

Intravenöser Dihydropyridin-Kalziumantagonist mit rascher Steuerbarkeit und klarer Gefäßselektivität ohne negativ inotrope Wirkung — was ihn bei hypertensiver Krise beim herzinsuffizienten Patienten bevorzugbar macht gegenüber Labetalol. Häufig eingesetzt bei hypertensiver Enzephalopathie und bei neurochirurgischen Eingriffen wo präzise Blutdruckkontrolle benötigt wird.

SONDERZULASSUNG

WICHTIG

Wirkungsdauer 1,5–5 Stunden: eine Überdosierung kann nicht wegtitiert werden. Nicht bei ausgeprägter Aortenstenose geben.

Dosierung bei Erwachsenen

IndikationDosierungHinweis
Hypertensive Krise5 mg/Stunde i.v., alle 5–15 Minuten um 2,5 mg/Stunde erhöhenübliches Intervall 5–15 mg/Stunde
Erhaltung nach Zielung3 mg/Stunde i.v.Dosis senken wenn Zieldruck erreicht
Schwer behandelbare Hypertoniebis zu 30 mg/Stunde i.v.nur unter kontinuierlicher Überwachung
Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie5 mg/Stunde i.v., titrierengemäß geburtshilflicher Leitlinie

Nierenfunktionsstörung

Langsam titrieren. Aktive Metaboliten können bei ausgeprägter Niereninsuffizienz akkumulieren.

Leberfunktionsstörung

Startdosis reduzieren bei eingeschränkter Leberfunktion; der Metabolismus ist vollständig hepatisch über CYP3A4.

Kinder

0,5–3 µg/kg/min i.v., auf pädiatrisch-kardiologische Verordnung.

Fallstrick

Bei laufender Myokardischämie ohne gleichzeitige Betablockade vermeiden — die Reflextachykardie erhöht den Sauerstoffverbrauch. Nicht in periphere Vene geben ohne regelmäßigen Wechsel — Thrombophlebitis nach einigen Stunden.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT1–2 Minuten
WIRKUNGSDAUER1,5–5 Stunden
t½ (terminal)2–4 Stunden
PROTEINBINDUNG> 95 %
METABOLISMUSCYP3A4, ausgeprägte First-Pass-Metabolisierung
AUSSCHEIDUNGBiliär und renal als Metaboliten
HEMMTCYP3A4 und CYP2D6 schwach
Vd8,3 l/kg

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %Kopfschmerzen, Tachykardie, Flush, Übelkeit
1–10 %Periphere Ödeme, Schwindel, Hypotonie, Thrombophlebitis bei peripherer Infusion
< 1 %Myokardischämie bei Reflextachykardie, Herzinsuffizienz-Verschlechterung

Kontrollschema

Blutdruckalle 5 Minuten bei Titrierung
Herzfrequenzkontinuierlich
Infusionsstellealle 12 Stunden bei peripherem Zugang wechseln
Leberwertebei Infusion > 48 h

Wechselwirkungspotenzial

16 klinisch bedeutsam. 1 kontraindiziert · 6 schwerwiegend · 9 mittelschwer.

Hemmt CYP3A4 und CYP2D6 — erhöht Ciclosporin-, Tacrolimus- und Digoxinspiegel. Additives Hypotonierisiko mit Betablockern und anderen Antihypertensiva. PDE5-Hemmer kontraindiziert.

Darreichungsform & Kosten

Injektionslösung 2,5 mg/ml10-ml-Ampulle
Fertig gemischte Infusion20 und 40 mg/200 ml
EinschränkungSonderzulassung